
5. Das Hilfsangebot
Vom Jahre 2000- 2006 war Pater Lutz im Dienste der Diözese El Alto beauftragt Hilfe für die Straßenkinder zu entwickeln. Bis zum Jahr 2006 wurden dann 3 Zentren als therapeutische Wohngemeinschaften errichtet. Zeitweise haben bis zu 12 Straßenkinder in einem familien ähnlichen Stil zusammen gelebt, gingen zur Schule, haben eine Ausbildung gemacht und wurden resozialisiert. Hinzu kam ein Jugendzentrum und zuletzt, 60 km außerhalb, eine große Farm. Dieser Teil unter dem Namen "Movida Bolivia" gegründet, ging nach der Ausreise von Pater Lutz in die Verantwortung der Diözese El Alto über. Gleichzeitig wurde als preventive Maßnahme die Organisation "Obra Padre Lutz" gegründet. Obra Padre Lutz kümmert sich seit 2006 um die Arbeit für die Kinder und Jugendlichen direkt vor Ort auf der Straße. Obra Padre Lutz gliedert sich in 2 Schwerpunkte: 1. das Projekt 100 pasos (dt.: 100 Schritte) kümmert sich um die Schuhputzerkinder (niños trabajadores de la calle). "100 pasos" das Programmm betreut auf verschiedenem Niveau 250-300 Kinder und Jugendliche zu einem gewissen Teil auch Senioren, die dazu gezwungen sind ihren Lebensunterhalt durch schuheputzen zu verdienen. Der andere Teil des Programmes betreut 60-80 Kinder und Jugendliche, die als Obdachlose ihr Leben auf der Straße fristen "Lutz en la oscuridad" für diese Jugendliche gibt es hauptsächlich auf täglichen Rundgängen durch la ceja medizinische Grundversorgung. Sehr oft werden neue Wunden versorgt, da die Jugendlichen Opfer öffentlicher Aggression sind. Oft werden Abszesse behandelt und die üblichen Folgeerkrankungen des Alkoholismus und der Drogensucht. Die Kinder und Jugendlichen bekommen immer etwas zu essen, manchmal gebrauchte Kleider. Durch den regelmäßigen Kontakt wächst das Vertrauen und Stück für Stück und so lässt sich die Integration in bereits bestehende oder andere Hilfsprogramme verwirklichen. Wenn es neue Jugendliche auf der Straße gibt, besteht durch die kosequente Regelmäßigkeit die Chance Jugendliche von der Straße wegzubringen ja sogar in die Ursprungsfamilie zu reintegrieren. Gelegendlich übernehmen wir die Kosten für Klinikaufenthalte und manchmal organisieren wir auch die Bestattung auf der Straße verstorbener. Die damals für diese Jugendlichen gegründete Notschlafstelle steht im Moment nicht zur Verfügung. Die Schuhputzer werden auch 2 mal täglich auf der Straße besucht. So wird ihnen die Gelegenheit gegeben von ihrem verdienten Geld sofort etwas bei der Bank Ober Padre Lutz zu sparen. Jeder der spart erhält automatisch sofort aus dem großen Rucksack eine belegte Semmel. Ab einer bestimmten Quote, die je nach Alter der Jugendlichen unterschiedlich ist, gibt es die Arbeitsutensilien (Schuhcreme, Bürsten, die caja [Schuhputzschachtel] bis hin zur Arbeitskleidung) als Prämie. Wer regelmäßig spart (5mal die Woche) hat sich das Recht auf Gesundheitsversorgung, auf Schulmaterial, auf Hilfe in familiären oder sozialen Schwierigkeiten (Papiere besorgen) erworben. Durch die Regelmäßigkeit, Konsequenz und Freundschaft (lebenswürdigkeit) sind diese Jugendlichen zu einer stabielen und verlässlichen Organisation zusammen gewachsen. Über die Jahre hinweg haben sich die Jugendlichen sogar zu einer Art Gewerkschaft mit Statuten, Satzungen und Regeln entwickelt und haben sich im Gesamtverband (sozusagen Bolivianischem Gewerkschaftsverband) sogar eine Stimme verschafft. Wer von Obra Padre Lutz einen Zuschuss für den Hochschulabschluss bekommt, muss Schuhputzer bleiben, gute Leistungen nachweisen und 60 std./Monat Alphabetisierungsunterricht für die jüngsten Gewerkschaftsmitglieder leisten. Sie organisieren die besten Fußballturniere von ganz El Alto, weil sie professionelle Schiedsrichter engagieren und Alkohol und Aggressivität durch entspechendes Reglement raushalten. Zu Weihnachten, zu Ostern und zum Geburtstag gibt es Geschenke und Anerkennung. Das Selbstbewusstsein der Jugendlichen von El Alto is so sehr erstarkt, sodass es eine neue Generation gibt, die sich nicht mehr für ihre Arbeit schämt, sondern stolz ist, dass sie ihren Beitrag für ihr Land und ihre Familie leisten darf und deswegen ihr Gesicht nicht mehr verbergen muss. Diese Arbeit wird von 4 ehemaligen Mitarbeitern von Pater Lutz geleistet und 4 ehrenamtlichen Helfern (Pädagogikstudenten). Das Projekt hat lediglich ein kleines Büro in La Ceja, wo die Kinder sich umziehen und waschen können ihre caja deponieren können um dann zur Abenschule zu gehen. Getragen wird die ganze Arbeit von der finanziellen Unterstützung von den Freunden und Gemeinden von Pater Lutz