4. Die Prinzipien
Nach der Präventivmethode von Don Bosco gilt es auf verschiedenen Ebenen klare Ziele zu verfolgen. Präventiv: heißt vorsorgend; Kurativ: in der aktuellen Krisensituation beistehen; Rehabilitativ: aus dem Tunnel wieder herausführen. Dabei gilt als oberstes Prinzip, wie schon der Name des Projekts 100 pasos (100 Schritte) sagt, mit kleinen Leuten 100 kleine Schritte machen mit großen Leuten eben große Schritte. Es ist wichtig, dass es sich niemals um Almosen handelt, die nur weiter in eine zusätzliche Abhängigkeit führt. Wichtig ist, dass die Hilfe Begleitung ist. Accompagnamento: keinen Schritt tun, den der Jugendlich nicht selber tun will, nicht tun kann. Bei der Hilfe oder der Entwicklung eines Hilfeplanes sollen die Kinder selber entscheiden, wie weit sie gehen wollen, welches Ziel sie verfolgen und wie sie es erreichen wollen. Das größte Prinzip ist die Freiwilligkeit. Die beste Garantie für das Gelingen auf dieser Basis ist das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen zu gewinnen. Diese Methode stellt hohe Ansprüche an die Flexibilität und Einsatzbereitschaft des Helfers, da die Erfahrungen der meisten Kinder mit Erwachsen ziemlich prekär bis hin zu traumatisierend waren, bedarf es eine lange Etappe des ständig neuen Zugehens auf die Kinder. Das Prinzip des helfens heißt hier: "ich gehe immer von neuem auf die Kinder zu". so vermittle ich ihnen die Wertschätzung; so wächst die stabile Beziehung des Helfers. Die Erziehungprinzipien hierfür heißen: Beständigkeit Konsequenz und Lebenswürdigkeit. Beständigkeit heißt, in Bezug auf das Zugehen auf die Kinder täglich pünktlich optimistisch und ausgeglichen als stabile Bezugsperson für die Kinder da zu sein, mit einem Mindestangebot an Freundlichkeit, dem Ausdruck der Wertschätzung und weil Kinder immer Hunger haben, mit einer belegten Semmel. Konsequentz heißt Perspektiven, Möglichkeiten und Ziele einer schrittweisen Veränderung gemeinsam mit den Kindern festzulegen. Es gilt ein Sparprogramm anzubieten und je nach Kapazität des Kindes auch durchzuführen um den Jugendlichen von den Gefahren der Sucht des Automatenspielens abzulenken und seinen Willen durch das gesparte Geld sich kleine oder große Wünsche zu verwirklichen zu stärken. Schrittweise machen die Kinder die Erfahrung, dass sie stolz auf ihre Arbeit sein können und auch stolz sein können, dass sie der Familie helfen können und durch konsequentes Sparen eben nicht von Ihren Wünschen Abstand nehmen müssen. Das ist ein wichtiger Baustein zur "Ich-Stärkung" als Widerstand gegen die Resignation und Verwahrlosung. Freundlichkeit heißt, dass man durch Musik, durch eine Geburtstagstorte, durch die Übernahme der Zahnarztkosten Weihnachtsgeschenke Ausflüge kulturelle und sportliche Veranstaltungen, Abwechslung, Frohsinn aber auch Selbstbewusstsein in das Leben hinein bringt. Trotz der Armut kann man durchaus annehmen, dass gerade diese Kinder eine starke Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach einer besseren Welt haben. Geben wir dieser Sehnsucht Raum. Leihen wir ihr Sprache, Fantasie und Kreativität, dann gibt es auch sichere Gründe optimistisch zu sein. Christliche Wertvermittlung und religiöse Praxis in der Gemeinschaft, Kind- und Jugendgemäß vermittelt können sie widerstandsfähig gegen Orientierungslosigkeit, Pessimismus und Sinnverlust machen. Singen und beten in der Gemeinschaft, ein kennenlernen des christlichen Brauchtums und die Erfahrung als gottgeliebtes Kind auf dem Hintergrund der Armut stabilisierende und identitätstiftende Akzente sein.